Frontinus-Gesellschaft e.V.

Antoninisches Nymphaeum, Sagalassos, Türkei

Neue Veröffentlichung: Hubertus Manderscheid "NIL MAGIS MIRANDUM IN TOTO ORBE TERRARUM"

21.06.2021

Der erste Band der von Henner von Hesberg ins Leben gerufenen Reihe ›Minturnae‹ behandelt einen fundamentalen Aspekt antiken Lebens in einer mittelitalischen Kleinstadt von der Republik bis in die Spätantike: die Wasserbewirtschaftung und die Wasserarchitektur. Diese schließen alle Gesichtspunkte ein, von der Versorgung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Die Interdisziplinarität des internationalen Teams unter Beteiligung von Bauforschung, Vermessungswesen, Epigraphik, Althistorie, Naturwissenschaften sowie Speleoarchäologie stellt sicher, daß die vielen Facetten der Thematik nicht nur die rein archäologische Seite zum Gegenstand haben, sondern in einen umfangreicheren Rahmen gestellt werden.

Die Wasserversorgung erfolgte durch eine Fernleitung. Am Stadtrand ist ein Verteilerbauwerk erhalten, von dem aus die diversen Bezirke ihr Wasser erhielten. Ein sonst nur in der Vesuvregion nachgewiesenes innerstädtisches Distributionssystem wird durch den Wasserturm am decumanus repräsentiert. Die Wassernutzung betrifft sowohl öffentliche Bauten (Thermen, Laufbrunnen, Nymphäen, Theater, Amphitheater, macellum, Latrinen etc.) als auch den privaten Sektor der domus mit ihren verschiedenen Abnehmern. Die Wasserentsorgung umfaßt alle Aspekte von der Ableitung von Schmutz- und Regenwasser aus den einzelnen Bauten über die Straßenkanalisation bis hin zur Einleitung in den Liris.

Das nur zu ca. einem Sechstel seiner Fläche ausgegrabene Minturnae birgt ohne Zweifel im Boden weitere themenrelevante Komponenten. In Analogie insbesondere zu den Vesuvstädten und Ostia können dazu Aussagen gemacht werden, etwa über weitere öffentliche Bäder, Nymphäen, Latrinen sowie domus, inklusive des Stadtviertels auf der anderen Flußseite.

Der Bau der Fernleitung hat in Minturnae – wie anderenorts – nach und nach zu einem regelrechten Boom von Wasserarchitektur geführt; denn Fließwasser macht manche Einrichtungen überhaupt erst möglich. Diese dienen ebenso der ›Stadtverschönerung‹ und sind Ausdruck einer lange andauernden Phase des Wohlstandes. Die Anlagen der Wasserarchitektur mit ihrem hohen technischen Standard haben auf diese Weise nicht zuletzt zu einem gesteigerten Lebensgefühl beigetragen.

Das Inhaltsverzeichnis und die Vor- und Grußworte finden Sie  hier .

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