Frontinus-Gesellschaft e.V.

Antoninisches Nymphaeum, Sagalassos, Türkei

Vortrag und Exkursion in Wiesbaden am 15. Juni 2022

24.06.2022

Nach der Mitgliederversammlung fand in Kooperation mit der DVGW-Landesgruppe Wiesbaden ein Vortrag von unserem Mitglied Prof. Dr. Klaus Grewe und eine Exkursion zu wasserhistorischen Anlagen in der Stadt Wiesbaden statt.

Zunächst hielt Klaus Grewe wiederum einen sehr informativen, gleichzeitig aber auch spannenden und kurzweiligen Vortrag zum Thema „Wie das Wasser laufen lernte“. An vielen Beispielen zeigte er, dass die römischen Baumeister wahre Künstler ihres Fachs waren, die bestens ausgebildet, verantwortungsvoll handelnd, innovativ und qualitätsbewusst waren. An Hand mehrerer Fragen

- Wer hat eigentlich die Aquädukte, Straßen und Tunnel gebaut?
- Wer hat denn die römischen Baumeister ausgebildet und welche Anforderungen wurden an sie gestellt?
- Gab es Pfusch am Bau schon in der Römerzeit?
- Was waren denn die zwei größten Erfindungen der Römer im Bauwesen?
- Wie fand man eigentlich Wasserdargebote?
- Wie erklären sich die sensationell kurzen Bauzeiten der römischen Aquädukte?
- Holzasche in „Trinkwasserleitungen“ hineinschütten. - Was sollte das denn?

beleuchtete er die verschiedensten Aspekte der römischen Baukunst. Es ist schon bewundernswert, welche Leistungen die römischen Baukünstler vollbracht haben.

Nach diesem Vortrag ging es mit einem Oldtimer-Bus aus den 1970er Jahren zu der historischen Wasserfassung „Kisselborn“ der Stadt Wiesbaden aus der Nassauischen Zeit. Gunther Haarstark, ein Mitglied eines wasserhistorischen interessierten Freundeskreises, führte uns in das noch erhaltene Fassungsgebäude und zeigte uns auch Überreste der dort beginnenden historischen Leitung. Intensiv und auch kontrovers diskutiert wird die Frage, ob bereits die Römer die Kisselbornquelle zur Wasserversorgung genutzt haben.

Weiter ging es zu den Taunusstollen, die auch heute noch Trinkwasser für die Wasserversorgung von Wiesbaden liefern. Dort führte uns Thorsten Lachenmaier von der Hessenwasser. Dem visionären königlichen Landesgeologen Dr. Carl Koch, der bereits seit 1872 von Wiesbaden aus den Taunus geologisch untersuchte, ist das Wagnis der Taunusstollen zu verdanken. Sein Gutachten über die Möglichkeiten zur Sicherstellung der Wiesbadener Wasserversorgung von Anfang der 1870er Jahre waren die Basis für die Taunusstollen. Zwischen 1875 und 1910 wurden die vier Tiefstollen mit einer Gesamtlänge von 11,5 Kilometern in die wasserführenden Quarzitadern des Taunuskamms vorgetrieben. Heute liefern diese Stollen in etwa folgende Wassermengen pro Jahr:

Schläferskopfstollen              1.7 Millionen Kubikmeter
Münzbergstollen                    1.1 Millionen Kubikmeter
Kellerskopfstollen                  0,7 Millionen Kubikmeter
Kreuzstollen                           0,3 Millionen Kubikmeter

Geologisch interessant ist, dass die wasserführenden Schichten des Taunusquarzits, die sich mit wasserundurchlässigen Schieferschichten abwechseln, durch die Auffaltung des Gebirges vertikal stehen. Dadurch wirken die Schieferschichten als hydraulische Sperren. Dies hat man sich beim Bau der Stollen zunutze gemacht, indem man in den Bereichen, in denen die Stollen die Schieferschichten durchfahren, druckfeste Tore eingebaut hat, so dass man hinter den Toren das Wasser absperren und damit speichern kann. Auf diese Weise sind die Quarzitschichten in den hinteren Bereichen gleichzeitig Wasserspeicher, die man in Hochverbrauchszeiten nutzen kann.

Die Portale der Stollen sind liebevoll gestaltet, was die Wertschätzung der Erbauer vor dem lebenswichtigen Lebensmittel Trinkwasser zum Ausdruck bringt.

Vor dem Portal des Kreuzstollens fand die Veranstaltung ihren stimmungsvollen und harmonischen Ausklang.

Wir sagen Dank

  • Herrn Jürgen Pilz (ESWE) und seinem Team für die Organisation der Exkursion,
  • der ESWE für die Gastfreundschaft,
  • Herrn Gunther Haarstark für die Führung am „Kisselborn“,
  • der Hessenwasser und besonders Herrn Thorsten Lachenmaier für die Führung am Taunusstollen.

Einige Bilder dieser Exkursion können Sie  hier  herunterladen.

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